Unsinterview 1714370 640er Pressesprecher und Geschäftsführer des Stadtverbandes Korkut Berdi stellte sich den vier Fragen vom Lokalkompass (Klever Wochenblatt).

Zu welchen Themen er befragt wurde und was er darauf geantwortet hat, kann man hier nachlesen:

Korkut Berdi ist seit über zehn Jahren aktiver Christdemokrat in der niederrheinischen Stadt Kalkar. Er möchte sich effektiv für die wunderschöne und historische Stadt Kalkar einbringen und einsetzen und seine Volkspartei attraktiver machen, junge Leute ansprechen und überzeugen sowie in der Partei mehr innerparteiliche Demokratie, hohe Toleranz und auch gemeinsame Sachkompetenzen über die Parteigrenzen hinaus erreichen. Sehr wichtig ist ihm auch eine faire und sachliche Auseinandersetzung mit Andersdenkenden. 
Im CDU-Stadtverband Kalkar ist Korkut Berdi u. a. verantwortlich für die Geschäftsführung und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Gerne war Korkut Berdi bereit, sich den vier Fragen zu stellen. (Von Willi Heuvens)


1. Seit dem Jahr 2014 ist die CDU nicht mehr die stärkste Kraft im Rat der Stadt Kalkar. Mit welchen Argumenten möchte die CDU im nächsten Kommunalwahlkampf punkten - wo setzt die Primärkritik an?

Wir als CDU müssen allen Kalkarer Bürgern deutlich machen, dass wir die Stadt Kalkar nur nach vorne bringen können, wenn alle unabhängig von Alter, Geschlecht, Wohndauer, Religion etc. uns für unsere schöne Stadt interessieren und einsetzen.


Derzeit versucht die Stadt, mehrere große Projekte wie zum Beispiel Schulumzug, IHK, Anträge zu einem Blühflächenkonzept, Gebäudemanagement und mehr gleichzeitig voranzutreiben. Offensichtlich ist es für unsere kleine Stadt und kleine Verwaltung nicht zu stemmen, so viele Dinge gleichzeitig erfolgreich zu bearbeiten. Allein der Schulumzug verzögert sich schon um über zwei Jahre. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurde kein größeres Projekt, das seit 2014 geplant wurde, auch nur ansatzweise realisiert. Deswegen müssen wir weg von solchen Phantasien und ideologischen Wünschen hin zu mehr Realität, die unsere Verwaltung auch arbeitstechnisch meistern kann. Dazu ist natürlich auch endlich eine Führung durch die Verwaltungsspitze notwendig. Kurz gesagt, ist es besser, nicht mehrere Großprojekte (gleichzeitig) durchzuführen, die dann kaum durchgeführt und nicht beendet werden. Das sollte unser Ansinnen sein bei der CDU.


Eine symbolische Sparpolitik wie große statt kleine Getränkeflaschen bei Ratssitzungen oder keine städtischen Weihnachtsbäume und das Nichtabarbeiten realer Probleme wie beispielsweise städtischer Reinigung der Wege und Grünanlagen sowie ein vorauseilender Gehorsam beim Abbau der Tore am Bolzplatz ist den Bürgern nicht sinnvoll zu vermitteln.

Daran werden wir als CDU ansetzen, dem Bürger wirklich mehr Gehör verschaffen und dies nicht nur mit wohlgemeinten Absichtserklärungen sondern mit Taten.



Hinzu kommt, dass die Verwaltung durch die Verwaltungsspitze nicht geführt wird; die Bürgermeisterin hält sich weitgehend aus der Verwaltungshoheit raus und überträgt Ihre Verantwortung auf andere. Zudem zeigt die Bürgermeisterin wenig bis gar keine klare gestalterische Zukunftsvision. Aber auch die stärkste Fraktion lässt nichts davon erkennen, zumal oft am Bürger vorbei „regiert“ wird. Angetreten waren beide für etwas anderes. Auch das sind Punkte, die wir selbstverständlich bemängeln und mit einem neuen Bürgermeister und uns als stärkste Fraktion ändern müssen und wollen.



2. Kalkar - eine wunderschöne historische Stadt und ein Anziehungspunkt für Touristen, Naturfreunde, Wanderer und Feinschmecker. Wo liegen hier noch brachliegende Kapazitäten, die es kurzfristig und zukunftsorientiert zu wecken und aufzuarbeiten gilt?


Wir haben in unserer Stadt einige touristische Magnete, deren Potentiale noch erarbeitet bzw. verbessert werden können. Als Beispiele denke ich an eine bessere Nutzbarmachung des Wisseler Sees, der Kalkarer Mühle mit ihrer Historie oder eines Touristikpfades mit einem Zwischen- oder Endpunkt Haus Horst mit seiner schönen Anlage und tollem Café.

Unsere tolle Stadt mit ihrem besonderen gastronomischen Angebot ist ebenfalls ein noch immer ausbaufähiges Potential; dazu wären jedoch noch stärkere marketingtechnische Maßnahmen sinnvoll und angebracht.



3. Industrie - Handwerk - Mittelstand. Kann man Kalkar für die Ansiedlung von Unternehmen und somit für die Schaffung von Arbeitsplätzen attraktiver machen - wenn Ja - auf welche Art und Weise und mit welchen Maßnahmen?


In Kalkar haben wir mit Emmerich zusammen den höchsten Gewerbesteuersatz im Kreis von 425 %. Aber das ist psychologisch gesehen nicht das große Hindernis. Vielmehr brauchen neue aber auch bestehende Betriebe Unterstützung seitens der Stadt bei Niederlassung, Gründung und Erhalt der Betriebe. Eine Vereinfachung der Bürokratie –sofern es im Einflussbereich der Stadt liegt- würde schon viel erreichen.

Für eine Erhöhung der Attraktivität für Unternehmen sind eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur durch bessere Verkehrsanbindung mit dem Ausbau der B67n und ein Highspeed-Internet fast schon zwingend. Aber auch „weiche“ Faktoren wie interessante Freizeitmöglichkeiten, gutes schulisches und medizinisches Versorgungsnetz und attraktive Wohnmöglichkeiten erhöhen eine Akzeptanz bei Unternehmen und deren Mitarbeitern.


4. Eine Frage (auch) außerhalb der Kommunalpolitik. Die Armut in Deutschland wächst von Jahr zu Jahr. Welche Möglichkeiten, lieber Herr Berdi, sehen Sie, Ungerechtigkeiten, wachsende Armut und unwürdige Löhne zu beseitigen?


In Deutschland gelten nach dem Armutsbericht des paritätischen Wohlfahrtsverbandes rund 12,5 Millionen Menschen als arm, darunter etwa 3,4 Millionen Rentner und 2,5 Millionen Kinder. Als Zahnarzt und Hypnosetherapeut bin ich gewohnt, die Ursachen und nicht die Symptome zu behandeln, deswegen ist der beliebte Ruf nach mehr Geld nur ein hilfloses Rumdoktern am Symptom. Meiner Meinung nach schnell umsetzbar wären

a) eine bessere Kinderbetreuung (z. B. Betreuungszeiten an den Wochenenden, frühen Morgen und spätem Abend sowie Ganztagsschulen),

b) Mangel an Bildung und Qualifikation: Beseitigen könnte man dies durch Erhöhung der Chancengerechtigkeit. Aber das allein reicht noch nicht. Unsere Schulen werden heute als System überfordert. Von ihnen wird zu viel erwartet: sie sollen gleichzeitig Grundwissen lehren, Talente und Fähigkeiten fördern, Werte vermitteln, auf das alltägliche Leben vorbereiten, inkludieren, integrieren und so weiter. Das ist an fünf Vormittagen in der Woche unmöglich. Wo alles auf einmal gelingen soll, gelingt es eigentlich immer weniger, weil sie teilweise auch die Aufgaben der Eltern übernehmen sollen. Die Folge sind dann genervte Schüler und ausgebrannte Lehrer. Das bedingt dann auch

c) eine neue und sinnvolle Allianz zwischen Eltern, Lehrer und Erzieher.

Das vielschichtige Problem der gerechten Löhne kann man nicht mit einer Umschichtung („oben wegnehmen und unten geben“) lösen. Dies würde nur zu noch mehr Neid und Frustration bei den „finanziellen Leistungsträgern“ wie z. B. den Firmenbetreibern führen und wahrscheinlich eher das Gegenteil erreichen. Beispiele konnten wir in vielen untergegangenen kommunistischen Staaten sehen.

Richtig fände ich, dass wir dafür sorgen, dass Arbeiten wieder mehr ins Portemonnaie aller arbeitenden Menschen einbringt. Hierbei wäre allein schon durch einen spürbaren Abbau der Bürokratie eine deutliche Kostenersparnis, die dann wiederum den Betrieben und ihren Mitarbeitern zugutekommen muss, zu erreichen. Im Bereich der (Zahn)Medizin zum Beispiel hat der Nationale Normenkontrollrat mit den Kassen und (Zahn)Ärzten und dem statistischen Bundesamt zusammen 2015 viele Erleichterungsvorschläge gemacht. Bisher ist davon leider nicht viel umgesetzt sondern eher im Gegenteil, allein durch die Datenschutzgrundverordnung und die Telematikinfrastruktur ist eine Vielzahl an mehr Bürokratie entstanden.


Trotzdem ist eine intelligente und verantwortungsvolle Investition in Zukunftsindustrien (Stichwort Industrie 4.0, Digitalisierung) sinnvoll. Nur so können wir hochbezahlte Leistungsträger hervorbringen, sie zufriedenstellen und somit auch im Land halten.


Und letzten Endes müssen auch viele Arbeitgeber merken, dass nur gut ausgebildete und zufriedene Mitarbeiter Höchstleistungen bringen. Eine Feedbackspirale im positiven Sinne sozusagen.



Ich bedanke mich bei Korkut Berdi für dieses Interview und das informative und interessante Gespräch. Ich wünsche ihm viel Erfolg bei all seinen Aufgaben und Zielsetzungen sowie große Schaffenskraft und beste Gesundheit.

 

(Quelle: https://www.lokalkompass.de/kalkar/politik/vier-fragen-an-heute-korkut-berdi-aktiver-kommunalpolitiker-cdu-in-kalkar-d951345.html)


Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31